Schlechte Ärztebereitschaft belegt: Wir fordern Nachbesserungen

„Der mangelhafte neue ärztliche Bereitschaftsdienst für Neustadt, Wunstorf, Garbsen und Seelze gehört im Interesse von Patienten und niedergelassenen Ärzten dringend nachgebessert.“  Das haben der Neustädter Grünen-Ratsherr und Hausarzt Dr. Godehard Kass und Ortsverbandssprecher Uwe Lötzerich gefordert.

Grund: Der teure, nur für lebensgefährlich Verletzte oder Erkrankte gedachte Rettungsdienst musste seit der Neuordnung der Ärztebereitschaft durch die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Niedersachsen im Juli zum Teil deren Arbeit übernehmen.

Im zweiten Halbjahr 2016 mussten die Notfallretter in Garbsen, Seelze und Wunstorf 577-mal häufiger ausrücken als von Juli bis Dezember 2015. Gesundheits-Fachredakteur Lötzerich: „In Neustadt waren 114 Krankentransporte mehr nötig als im gleichen Vorjahreszeitraum, belegen mir vorliegende neueste Zahlen der Region.“

Viele bettlägerige oder gebrechliche Patienten mit Beschwerden wie hohem Fieber oder starkem Erbrechen hätten kurzerhand den Rettungsdienst alarmiert, weil sie nicht so lange auf den zuständigen, von weither anreisenden Bereitschaftsarzt warten wollten, berichten die Hausärzte Dr. Kass (Neustadt-Schneeren), Dr. Jan Reimers (Garbsen) und Dr. Sami Mohtadi (Wunstorf). Für immobile Neustädter Patienten, so Dr. Kass, forderte die Leitstelle offenbar häufiger Krankentransporte zur neuen zentralen Bereitschaftschaftspraxis im nahen Klinikum an.

Die drei erfahrenen Mediziner halten es „schlicht für ein Unding, dass tags und abends nur zwei fahrende Bereitschaftsärzte und nachts nur einer die ambulante medizinische Versorgung von 190.000 Neustädtern, Wunstorfern, Garbsenern und Seelzern in einem Riesengebiet von 617 Quadratkilometern sicherstellen.“

„Warum die KV-Bezirksstelle unsere gut funktionierenden Ärztebereitschaften vor Ort in den Städten zugunsten der neuen Zentralpraxis im Klinikum Neustadt im Juli aufgelöst hat, kann ich nicht erkennen“, macht Dr. Mohtadi seinem Unmut Luft.

Nicht nachvollziehen kann Wunstorfs Erster Stadtrat Carsten Piellusch, dass noch gefähige Patienten abends aus Wunstorf, Garbsen und Seelze zur Zentralpraxis im Regionsklinikum anreisen müssen: „Vor allem Familien und Alleinerziehende mit mehreren Kindern sowie noch mobile, aber geschwächte Ältere aus den Nachbarstädten stellt die weite Anreise nach Neustadt abends und nachts doch vor große Probleme.“ Ohne eigenes Auto seien sie auf teure Taxen angewiesen.

„Unter dem Strich brachte diese Reform den Patienten eine schlechtere Ärzteversorgung, denn weniger als die Hälfte der früheren Bereitschaftsärzte kümmern sich aktuell um sie“, ergänzt der Garbsener Hausarzt Dr. Reimers.

Dr. Kass stellt Anfrage an Verwaltung

Konsequenz für Dr. Kass: Nun wird der Grünen-Ratsherr eine Anfrage an die Stadt Neustadt richten, was sie die Verwaltung gegen die Misere beim ärztlichen Bereitschaftsdienst zu unternehmen gedenke. Außerdem wird er die Stadtverwaltung auffordern, wie die Stadt Wunstorf endlich eine Patienten-Hotline für Beschwerden über den ärztlichen Bereitschaftsdienst einzurichten.

 

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