Grüne fordern kompetentes nachhaltiges Konzept für gesunde Wasserversorgung

Die Ratsfraktion der Neustädter Grünen und Linken hat ein kompetentes nachhaltiges Konzept für eine gesunde Wasserversorgung der Bevölkerung in 30 Ortsteilen gefordert, die ihr Wasser aus den Hagener Brunnen des Wasserverbandes Neustadt-Garbsen (WVNG) beziehen. Zeitnah müsse die Untere Wasserbehörde (Region) die landwirtschaftliche Nitratdüngung in dem Wasserschutzgebiet stark begrenzen, da die Nitratwerte dort bald den gesetzlichen, gesundheitlich unbedenklichen Grenzwert von 50 mg/l übersteigen werden.

„Alle jüngst öffentlich diskutierten Schritte zur Verbesserung der Wasserqualität sind teuer und lassen die Preise für die Verbraucher steigen. Das muss allen Kritikern bewusst sein“, erklärten die Vorstandsmitglieder Marion Pinne und Uwe Lötzerich für den Ortsverband. Verständnis haben sie für deren Ziel, auf Sicht für alle Neustädter Bürgerinnen und Bürger eine gleich gute Wasserversorgung sicherzustellen.

Hier der Antrag der Fraktion an den Neustädter Stadtrat:

„Das Wasser aus Hagen ist derzeit nicht zu beanstanden, da es die gesetzlichen Anforderungen auch beim Nitratgehalt erfüllt. Die aktuell von besorgten Bürgerinnen und Bürgern geforderte Nitrat-Obergrenze von 10mg/l beruht auf einem Missverständnis: Dieser strengere Wert gilt nur für abgepacktes Wasser für Säuglinge, dass für eine lange Lagerung sicher sein muss, nicht für das Trinkwasser aus Leitungen.

Der Nitratgehalt des Hagener Wasserwerkes steigt aber stetig an, so dass Maßnahmen dagegen baldmöglichst erforderlich sind. Das Verschneiden von verschiedenen Brunnen ist langfristig keine Lösung, weil das für die Installation Gefahren birgt. Auch ein Zukauf von Wasser kann langfristig keine Hoffnung sein, weil das Problem überall auftritt.

Als Hauptverursacher der Nitratkrise gilt die Düngepraxis der Landwirtschaft, die bei den aktuell gültigen Richtwerten der Landwirtschaftskammer Niedersachsen Sickerwässer mit bis zu 200mg/l Nitratgehalt erzeugt, um Spitzenerträge zu erzielen. Bei einem Preisverfall landwirtschaftlicher Produkte durch Überproduktion erscheint dies auch den Interessen der Landwirtschaft schädlich zu sein.

Ein Drittel aller Messbrunnen in Deutschland liegt bereits über dem Grenzwert von 50mg/l. Es läuft aktuell eine Klage der EU gegen Deutschland wegen Untätigkeit der Bundesregierung. Mikroorganismen in tieferen Bodenschichten haben bisher ein Großteil des Nitrats abgebaut. Dieser Prozess funktioniert aber nicht mehr überall, sodass vielerorts bereits ein Nitratdurchschlag aufgetreten ist, der die Werte kurzfristig und auf Dauer stark steigen lässt.

Die Fraktion beantragt daher Folgendes:

– Die Einrichtung einer kompetenten Runde aus Vertretern der Politik, der Wasserwirtschaft, der Verwaltung aus Stadt und Region, der Landwirtschaftskammer, den örtlichen Vertretern der Landwirtschaft und Fachkundigen aus der Stadt ist anzustreben, um eine langfristige Strategie zu erarbeiten.

– Im Wasserschutzgebiet von Hagen muss durch eine Verfügung der Wasserbehörde das Ausbringen von Nitratdünger zeitnah stark begrenzt werden.

Die ökologische Landwirtschaft verzichtet grundsätzlich auf technischen Nitratdünger. Daher kauft man mit Bio-Produkten nicht nur weniger Nitrat, sondern schützt damit auch das Grundwasser. Der Konsument kann so den ökologischen Strukturwandel in der Landwirtschaft fördern.“

Wissenswertes zur Verträglichkeit von Nitraten und Giftigkeit von Nitriten

Nach Recherchen von Hausarzt Dr. Godehard Kass und Fachredakteur Lötzerich wird der gesetzliche Höchstwert von 50 mg Nitrat pro Liter Trinkwasser von den allermeisten Experten und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als gut verträglich und unschädlich für Erwachsene und Kleinkinder angesehen.

Zum Vergleich: Diverse Gemüse und Salate weisen oft weit höhere Nitratbelastungen auf, die bis zu 3500 mg pro Kilogramm enthalten dürfen. Die WHO hält eine tägliche Aufnahmemenge von 3,5 mg pro Kilo Körpergewicht bei jedem Menschen für vertretbar. Das heißt: Ein 80-Kilo-Mann kann 280 mg Nitrate täglich zu sich nehmen, ohne Gesundheitsschäden zu erleiden.

Sehr strenge Grenzwerte für die giftigen Nitrite

Wirklich giftig sind die Nitrite, die sich bei Sauerstoffmangel aus Nitraten bilden können. Vitamine und andere Schutzstoffe in pflanzlichen Nahrungsmitteln wie Salaten verhindern diese gefährliche Umwandlung auf natürlichem Wege. Bei langer Lagerung können sich Nitrate in Trinkwasserflaschen in die giftigen Nitrite verwandeln. Daher gilt für Trinkwasser in Flaschen zur Säuglingsernährung der strenge Nitrat-Höchstwert von 10 mg/l. Dr. Kass: „Die früher gefürchtete Blausucht bei Säuglingen war eine Nitritvergiftung und ist durch Trinkwasser nicht mehr vorgekommen, seitdem der Grenzwert für Nitrat von 50 mg/l gilt.“

Die gesundheitsschädlichen Nitrite behindern den Sauerstofftransport des Blutes und können beim Menschen Übelkeit, Magenbeschwerden und Atemnot (Blausucht) auslösen. Der Hausarzt: „Gefährdet sind insbesondere Säuglinge z. B. durch Verzehr von aufgewärmtem Gemüse aus intensiv gedüngten Kulturen, da das enthaltene Nitrat bakteriell zu Nitrit umgewandelt werden kann.“

Laut Trinkwasserverordnung gelten für Nitrite daher sehr strenge Grenzwerte: 0,1 mg/l am Wasserwerksausgang und 0,5 mg/l am Zapfhahn des Verbrauchers. Die Summe aus Nitrate-Konzentration geteilt durch 50 und Nitrite-Konzentration geteilt durch 3 darf dann nicht größer als 1 sein.

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